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Palmöl, Zucker, Moralapostel – ich will einfach nur essen

  • Autorenbild: Nathan Hofmann
    Nathan Hofmann
  • 21. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Ich erinnere mich noch lebhaft an meine Teenagerzeit in den frühen 2000ern, als ich während der Halbzeitpause der EM völlig frei von jeglichen Vorschriften und Anklagen die Nutella-Werbung im Fernsehen sah. Rückblickend erfüllt mich diese Erinnerung mit Gefühlen von Freiheit, Leichtigkeit und Unbekümmertheit. Oh, wie schön diese Zeit war, in der mich keine Stimmen von rechts und links darauf hinwiesen, dass Nutella teuflische Zutaten wie Zucker, Palmöl und Milch enthält. Nein, selbst die neue pflanzliche Nutella kann diese Stimmen nicht zum Schweigen bringen.


Es scheint, als gäbe es kein Lebensmittel mehr, bei dem der Griff danach nicht von Klimaschützern und Gesundheitsbesserwissern kritisiert wird. Fleisch ruiniert den Planeten, Milch und Eier fördern Tierleid, Weizen, Zucker und Palmöl vergiften und Mangos stoßen durch den Import CO2 aus. Die Anklageliste ließe sich endlos fortsetzen. Da frage ich mich, ob ich jemals wieder unbekümmert Lebensmittel genießen kann – ohne Schelte, ohne Anklage. Selbst ein Nomadenleben in der Wildnis Afrikas, ernährt von wild wachsenden Früchten und Tieren, würde diesen Anklagen nicht entkommen.


Die Rumregulierung hat eine religiöse Dimension angenommen.


Es ist, als hätte der Apostel Paulus von seiner Reise durch Deutschland gesprochen, wenn er von Menschen erzählt, die andere mit folgenden Worten herumregulieren: „Mit diesen Menschen darfst du nichts zu tun haben! Das darfst du nicht nehmen! Davon darfst du nicht essen! Das darfst du nicht einmal berühren!“ (Kol 2, 21)


Paulus geht noch weiter und erklärt, dass dieses religiöse Verhalten den teuren Verzicht auf bestimmte Lebensmittel den Anschein hat, besonders religiös zu sein, ja gar göttlich.


Diese Formen der Religiosität bringen uns jedoch nicht näher zu Gott (1. Kor 8, 8). Sie sind in sich leer und dienen, wie Jesus sagte, nur dem Image „Gut vor anderen dazustehen“.

Als Gläubige sollten wir uns von diesem religiösen Eifer distanzieren. Jesus Christus hat uns mit seinem Tod am Kreuz von der religiösen Anklagebank freigekauft. Wir dürfen frei von Anklage essen. Für Gott macht es keinen Unterschied, ob Palmöl in deinem Essen oder die Mango CO2 ausstößt:


„Was wir essen, entscheidet nicht darüber, wie wir vor Gott dastehen. Vor ihm sind wir weder besser noch schlechter…“ (1. Kor 8, 8)

Er ermutigt uns vielmehr dazu, wahre geistliche Übungen zu praktizieren, wie zum Beispiel Gebet an einem Ort der Stille und Einsamkeit, eine Zeit des Fastens ohne öffentliche Zurschaustellung und das Helfen Bedürftigen ohne das Bedürfnis, darüber zu sprechen. Diese Spiritualität bringt uns in den Blick des allmächtigen Gottes, der uns mit einem tiefen Gefühl der Annahme erfüllt. An diesem Ort werden alle Anklagen und Erwartungen religiöser Fanatiker unserer Gesellschaft aufgelöst und ein Ort der Freiheit geschaffen. Wie einst im Jahr 2004 auf dem Sofa, vor der Nutella Werbung zur Halbzeit der Fußball EM.


 
 
 

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