Der Mittelklasse Gott
- Nathan Hofmann

- 9. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Ab den 1960er Jahren erlebte Deutschland einen wirtschaftlichen Aufschwung, der den sogenannten „Wohlstand“ in die Mitte der Gesellschaft brachte. Plötzlich konnte sich der Durchschnittsdeutsche ein Auto leisten und damit in den Urlaub fahren. Moderne Haushaltsgeräte wie Kühlschrank, Waschmaschine, Staubsauger und Fernseher wurden Teil des Alltags. Größere Wohnungen, Zentralheizung statt Kachelofen und ein eigenes Bad innerhalb der Wohnung waren keine Seltenheit mehr.
Was heute als selbstverständlich gilt, war damals außergewöhnlich. Diese Selbstverständlichkeit hat sich jedoch zu einem Fluch entwickelt. Wer sich diesen Luxus – eine geräumige Wohnung mit mehreren Zimmern für die Kinder, ein Auto, hochwertige Haushaltsgeräte, ständig neue Kleidung, Urlaub, Sportverein und so weiter – nicht leisten kann, wird von dem wohl am meisten gefürchteten Monster verschlungen: der Armut und dem damit verbundenen Abstieg in die Klasse „Sozial schwach“.
Die Angst vor der „Armut“ ist so groß, dass mit aller Macht dagegen vorgegangen wird. Schließlich muss man mithalten. Das bedeutet jedoch immer mehr Arbeit, immer mehr Schulden, immer mehr Ratenzahlungen, immer mehr Stress, immer weniger Kinder, immer weniger Zeit mit den Kindern und immer weniger Widerstand gegen den Zerfall moralischer christlicher Werte.
Wer heute keinen Widerstand gegen den Zerfall christlicher Werte leistet, hat diese Werte selbst aufgegeben.
Warum? Weil etwas Größeres, Wahrhaftigeres, Mächtigeres, ja anbetungswürdiger erscheint als Gott selbst: der Wohlstand.
Das ist nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Predigten in der Freikirche diesen Götzen geradezu zum Leben erwecken. Gehorsam gegenüber Gott wird dort mit einem Mittelklasseleben belohnt. Wer kein solches Leben erhält oder sich gar dagegen entscheidet, gilt als verflucht, ja als vom Weg Gottes abgekommen.
Die Bibel erwähnt zwar an einigen Stellen Menschen, die aufgrund ihres Gehorsams mit Wohlstand gesegnet wurden, warnt aber gleichzeitig ausdrücklich davor, diesen Wohlstand zum Gott zu machen und seinen Willen zu missachten (siehe 5. Mose 8).
Genau hier liegt das Problem. Heute ist Wohlstand keine Frucht des Gehorsams gegenüber Gottes Willen, sondern der verzweifelte Versuch, diesen um jeden Preis aufrechtzuerhalten.
Die Bibel hingegen sagt: „Wohlstand kommt durch den Segen Gottes, eigene Mühen vergrößern ihn nicht“ (Sprüche 10, 22).
Unsere Kinder spiegeln wider, ob wir Gott oder dem Wohlstand dienen. Die Geburtenrate ist von 2,1 Kindern pro Frau im Jahr 1960 auf 1,2 Kinder im Jahr 2024 gesunken. Dies deutet darauf hin, dass trotz der biblischen Lehre, Kinder seien ein Segen, andere Prioritäten wichtiger geworden sind. Viele Eltern entscheiden sich heute für maximal zwei Kinder und geben diese bereits im frühen Alter in die Kita, sodass sie einen Großteil des Tages in der Schul- oder Kitabetreuung verbringen. Nicht weil es „überlebenswichtig“ ist, sondern damit der Wohlstand weiter lebt. Diese Entscheidung für den Wohlstand steht im Widerspruch zu den Lehren Gottes. Warum ist das so?
Weil Gottes Wort sagt:
1. Laut 1. Mose 1, 28 bedeutet „Seid fruchtbar und vermehrt euch“, mindestens drei Kinder zur Welt zu bringen.
2. Die Bibel betont, dass das Haus der primäre Erziehungsort und die Eltern die primären Erzieher sind (5. Mose 6, 6-7; Eph 6, 4; Jes 49, 15).
Wer sich hingegen für eine größere Familie entscheidet und die primäre Erziehung seiner Kinder zu Hause übernimmt, muss höchstwahrscheinlich auf Wohlstand verzichten und eine soziale Schicht absteigen, um Gott die Ehre zu erweisen.
Ist es nicht letztendlich erfüllender, für etwas zu leben, das ewig Bestand hat? Für Werte einzustehen, für die Familie und die Kinder da zu sein und Gott, der gut und gerecht ist, sein Leben anzuvertrauen. Anstatt die eigenen Werte, die Familie und die Kinder an einen Konzern, an Vorgesetzte oder gar an den Wohlstand selbst zu verkaufen, die im Ernstfall einen im Stich lassen und der auf dieser Erde vergänglich ist.










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